"Kriege unterscheiden nicht zwischen Sieger und Verlierer. Nur wir glauben, sie zu kennen." - Ernst Ferstl

Abb.A: Armin Beilhack 1935. Quelle: Bundesarchiv.
Abb.A: Armin Beilhack 1935. Quelle: Bundesarchiv.

Kindheit und Jugend – Enttäuschte Hoffnungen

Armin Beilhack wurde am 22.12.1908 in München als Sohn des Lehramtskandidaten Andreas Beilhack und seiner Ehefrau Luise, geb. Kieffer, geboren. Sein Vater fiel 1916 als Leutnant, was Mutter und Sohn in tiefe finanzielle Probleme stürzte. Im Jahr 1921 heiratete die Mutter erneut, den Elektroingenieur Willy Kaufmann aus Nürnberg, doch auch dieser Schritt führte nicht zur lang ersehnten Besserung der Lage. Armin hatte vier Klassen der Volks- und sieben Klassen der Oberrealschule besucht, als er 1927 den stiefväterlichen Betrieb übernehmen musste. Denn Willy Kaufmann musste aufgrund einer Kriegsverletzung operiert werden und konnte bis auf weiteres nicht arbeiten.

Die „folgende allgemeine Geschäftskrise und die Freude an der praktischen Arbeit“, so schreibt Armin in seinem Lebenslauf, veranlassten ihn dazu, nicht auf die Schule zurückzugehen, sondern weiter im Betrieb des Stiefvaters zu arbeiten. Sein Ziel: der Besuch des „Technikums“ in München und das Studium bzw. die Ausbildung zum Funk- und Elektrotechniker.

 

Doch auch dieser Wunsch sollte wegen Geldmangels nicht in Erfüllung gehen. 1929 trat Armin in die Reichswehr ein, um wenigstens dort, in der Nachrichtenabteilung 7, die Ausbildung zum Funktechniker zu absolvieren.  

Der junge Mann war jedoch, so scheint es, vom Pech verfolgt. Ein Kraftwagenunfall aus eigenem Verschulden führte 1932 zu seiner Entlassung, doch da er bereits SA-Angehöriger war, konnte er immerhin die nachrichtentechnische Ausbildung des SA Sturmbannes I/S1 (München) übernehmen. Von dort stieg er endlich auf – 1934 wurde er Chef des Ausbildungswesens der Nachrichtenschule in Steinhöring einberufen, nach der Auflösung des Standortes erfolgte die Einberufung zum SS-Nachrichtensturmbann Berlin-Adlershof. Dort arbeitete Armin als Funkmeister des Funksturmes, 1935 schließlich trat er in die Waffen-SS ein.

 

Abb.B: Armins Braut Hedwig 1936. Quelle: Bundesarchiv.
Abb.B: Armins Braut Hedwig 1936. Quelle: Bundesarchiv.

Heirat und Aufstieg – von Adlershof nach Oranienburg

Im Jahr 1936 heiratete er Hedwig Frick, eine junge Zeichenlehrerin aus der Pfalz, die er bereits 1930 in München – vermutlich auf einem Tanzfest – kennengelernt hatte. Sie kam zu ihm nach Berlin-Adlershof, 1939 zog das Paar dann nach Oranienburg um, in die „SS-Siedlung am Adolf-Hitler-Damm“.  Denn Armin wurde zum Dienst in der Generalinspektion der SS-Totenkopfstandarten sowie in der Zentralinspektion der Konzentrationslager einberufen. Von nun an ging es steil bergauf: Er wurde er mit der Führung der Nachrichten-Ersatzabteilung beauftragt, baute das SS-Nachrichtenzeugamt der Stadt Oranienburg mit auf (dessen Leiter er dann von 1940-1942 war) und arbeitete sogar als „Sachbearbeiter für Nachrichtensonderaufgaben“ beim SS-Führungshauptamt in Berlin-Charlottenburg.

Im März 1940 brachte Hedwig endlich das erste – und einzige – Kind zur Welt, Tochter Gertrud*.

Doch Armin hatte nur wenig für seine kleine Familie übrig. Er ging ganz in seinem Erfolg auf - und die Ehe begann, stark zu kriseln.

 

* der Name wurde aus personenschutzrechtlichen Gründen geändert

 

Abb.C: Hedwigs Tagebuch gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben der jungen Frau. Quelle: Privatarchiv Frick.
Abb.C: Hedwigs Tagebuch gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben der jungen Frau. Quelle: Privatarchiv Frick.

„Den Papi staunt sie groß an, denn er ist ein sehr seltener Gast“
Während Hedwig die kleine Gertrud nach nationalsozialistischer Manier großzog und das Haus hütete, war Armin meist mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs. „Den Papi staunt sie groß an, denn er ist ein sehr seltener Gast“, notierte sie eines Tages nicht ohne Gram in ihr Tagebuch. Ihr Ton sei schon ziemlich militärisch, „aber was kann man schon von einem Soldatenkind und Kriegskind anderes erwarten“?

 

Hedwig war zwar selbst längst zur glühenden Anhängerin des Dritten Reiches geworden, vollkommen nüchtern beschreibt sie die Bombennächte im Keller („Drei Wochen lang haben wir jetzt fast jede Nacht im Keller gesessen, aber an das Krachen der Geschütze hat Gertrud sich schon gewöhnt“) – doch von ihrem Mann entfernte sie sich täglich mehr.

Der 9. März 1941 ist es letztlich, der Hedwigs Welt vollends zusammenbrechen lässt. An jenem Tag, dem ersten Geburtstag der kleinen Gertrud, ließ Armin ihren Bruder Walter gewaltsam in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Bernau einweisen – eine Tat, deren Folgen dem SS-Hauptsturmführer wohlbekannt waren (mehr dazu in der Biografie von Walter Frick).

 

Abb.D: Armin bekommt das „Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern“. Das Bild ist durch Klick vergrößerbar. Quelle: Bundesarchiv.
Abb.D: Armin bekommt das „Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern“. Das Bild ist durch Klick vergrößerbar. Quelle: Bundesarchiv.

Auszeichnung, Ehescheidung, Heldentod – die Jahre 1941 bis 1943

Armin wusste genau, was er wollte – Ruhm, Ehre und Erfolg, gepaart mit der ein oder anderen Vergnügung. Dass er letztere nicht mehr von seiner Ehefrau erwarten konnte, war ihm klar und dass sie längst von seinen Affären wusste, war ihm einerlei. Als er am 23. August 1941 das „Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern“ verliehen bekam – eine Ehre, die einem Soldaten nur bei besonderen Verdiensten zuteilwurde – folgte kein stolzer Eintrag in Hedwigs Tagebuch.

 

Über Monate schrieb sie nicht, „denn dieses Buch hätte nie ausgereicht, um all den Kummer niederzuschreiben“, und am 13. Oktober 1942 ist es überraschenderweise Armin, der die Scheidung einreicht, da seine Frau ihm „den ehelichen Verkehr“ verweigere.

Hedwig aber nahm nun all ihre Kraft zusammen und trat als Gegenklägerin auf. Als Grund nannte sie den damaligen § 49 (Andere Eheverfehlungen), der besagte, dass ein Partner die Scheidung begehren könne, „wenn der andere durch eine schwere Eheverfehlung oder durch ehrloses oder unsittliches Verhalten die Ehe schuldhaft so tief zerrüttet hat, daß die Wiederherstellung einer ihrem Wesen entsprechenden Lebensgemeinschaft nicht erwartet werden kann“.

Ob mit jenen schweren Verfehlungen Armins Affären gemeint waren oder die Tatsache, dass er ihren Bruder in den sicheren Tod geschickt hatte, wird aus den Akten nicht klar. Fest steht jedoch, dass Hedwig den Prozess gewann und Armin im November 1941 in niederer Stellung zur Nachschubkommandantur der Waffen-SS nach Bobruisk eilversetzt wurde – „über Land“, also mit einem PKW!

 

Am 23. August 1943 – exakt zwei Jahre nachdem er das Kriegsverdienstkreuz verliehen bekommen hatte – wurde er durch eine Minenexplosion so schwer verletzt, dass er noch am selben Abend den Verletzungen erlag. Von seinen Kameraden erfuhr Hedwig, dass er auf dem Sterbebett noch eine letzte Zigarette geraucht hatte. Damit habe er also erreicht, was er wollte, hält Hedwig später in einem Brief an ihre Mutter fest, er sei einen Heldentod gestorben. Wenige Wochen darauf wurde die Scheidung rechtskräftig.