Vier Leben

Ein Schüler*innen-Workshop zu NS-Rassenhygiene, NS-„Euthanasie“

und Familiengeschichte von Julia Gilfert

Vier Menschen, vier Geschichten - vier Leben

Als ich 2011 angefangen hatte, die Geschichte meiner Familie zu erforschen, wollte ich einfach nur wissen, wer dieser Walter Frick gewesen war, dessen Portraitfotografie seit jeher an unscheinbarer Stelle in unserem Haus hing. Man hatte mir immer gesagt, er sei Dirigent und mein Großvater gewesen – und in den ersten zwei Jahrzehnten meines Lebens hatte ich das auch nicht weiter hinterfragt. Doch was dann – ausgelöst durch einen Traum – begann, war nicht nur eine Reise durch die Zeit und durch die Geschichte meiner Familie, sondern auch eine Reise zu mir selbst. Eine Reise, an der ich nach und nach immer mehr Menschen teilhaben ließ, weil ich feststellte: Diese Geschichte muss erzählt werden. Und damit meine ich nicht nur die Geschichte meines Großvaters. Damit meine ich auch die Geschichten seiner Frau, seiner Schwester und seines Schwagers. Vier Menschen, vier Leben, vier Geschichten – die am Ende vor allem eines zeigen: Wer wir sind und wer wir werden, entscheidet immer auch die Zeit mit, in der wir leben. Denn die Geschichte eines einzelnen Menschen ist immer eingeflochten in ein enges Netz aus den Geschichten anderer.

 

 

Zur Entstehung des Workshops

Der Workshop ist im Juni 2018 auf eine Anfrage eines Gymnasiallehrers hin entstanden, der sich für den projektweise durchgeführten fächerübergreifenden Unterricht zum Thema "Rassehygiene – NS-'Euthanasie' – Eugenik" für eine 12. Klasse etwas Greifbares wünschte. Aus der sehr positiven Resonanz heraus entwickelte sich schnell der Wunsch, so oder so ähnlich auch mit weiteren Schulklassen zu arbeiten. Dauer und Interaktivität sind hierbei ebenso variabel wie – unter enger Absprache mit der Lehrperson – eine Anpassung an andere Altersgruppen und Schultypen. 

 

 

Das Konzept: Gruppenarbeiten mit Biografien und Zeitdokumenten

Die Geschichte von Walter Frick ist eng verflochten mit den Geschichten seiner Frau Luise und seiner Schwester Hedwig sowie der Geschichte seines Schwagers Armin. Die Schüler*innen werden in vier Gruppen eingeteilt, die sich im weiteren Verlauf mit einer dieser Personen beschäftigen werden. Anschließend werden die vier Gruppen den jeweils ersten Abschnitt der Biografie „ihrer“ Person bekommen - insgesamt gibt es vier Biografieabschnitte, die von den Gruppen bearbeitet werden.  Jedem Abschnitt schließen sich ein bis zwei Fragen bzw. Aufgabenstellungen an, die dann in den Gruppen diskutiert werden und die helfen sollen, den Text zu erschließen. Im nächsten Schritt stellen die Gruppen ihre Erkenntnisse dem Plenum vor. Zusammen mit den Abschnitten 2 bis 4 bekommen die Schüler*innen außerdem jeweils ein Dokument, das zum entsprechenden Biografieabschnitt passt. Dies können Tagebucheinträge der Person sein, aber auch Gesundheitsfragebögen oder Briefe. 

 

 

Sich selbst ein Bild machen

Je nach Zeitrahmen könnten auch noch weitere interaktive Elemente eingefügt werden, etwa von den Schüler*innen erdachte und dargebotene Standbilder zu bestimmten Szenen oder das Schreiben innerer Monologe. Hier bin ich vollkommen offen für die Ideen der jeweiligen Lehrperson. Die Schüler*innen befassen sich intensiv mit einer historischen Lebensgeschichte und sind dazu angehalten, sich selbst ein Bild zu machen – sowohl von Walter, der ja vereinfacht gesagt das Opfer in der Geschichte ist, als auch von Armin, der als der Täter identifiziert wird. Doch bevor klar ist, dass es Armin Beilhack ist, der Walter Frick in die Nervenheilanstalt bringen lässt, begegnen die Schüler*innen zunächst einfach Menschen, deren Lebensläufe sie erforschen.

 

Am Ende des Workshops wird es dann um die Zeit nach 1945, um das Schweigen innerhalb der Familie und um meine Motivation zu recherchieren gehen. Hierfür sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, denn sicher haben die Schüler*innen nun einige Fragen. Eine Möglichkeit der Moderation wäre ein Zettelkasten, in den die Schüler*innen ihre Fragen anonym einwerfen können, aber eine offene Fragerunde ist ebenso möglich.

 

 

Organisatorisches

Da ich mich derzeit im Masterstudium befinde und daher noch nicht voll berufstätig bin, ist es mir nicht möglich, diese Arbeit komplett ehrenamtlich zu machen. Die Erstattung von Fahrt- sowie (nach vorheriger Absprache) Übernachtungskosten ist somit Grundvoraussetzung für mein Kommen. Eine zusätzliche Aufwandsentschädigung wird natürlich gerne entgegengenommen, ist aber keine Bedingung. Ich bin sicher, dass sich diesbezüglich im persönlichen Gespräch entsprechende Lösungen finden werden. 

 

Sollten Sie Interesse an meinem Workshop haben, schreiben Sie mir gerne eine Nachricht über das Kontaktformular!